SCHEX News Januar 2021 (12.01.2021)


Liebe Leser/innen, 

es liegt ein Jahr hinter uns allen, welches unsere Nerven auf die Probe gestellt hat. Das Coronavirus hat das Jahr 2020 maßgeblich bestimmt. Wir wün­schen Ihnen für 2021 alles Gute und vor allem stetige Gesundheit.

Kurz & Knackig: Wir haben 3 Themen (und die passenden Antworten) für Sie aufbereitet.

 

1) Rückblick 2020: Entwicklung der Märkte & Portfolios - Auswirkungen der Coronakrise

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Pandemie waren und sind von massivem Ausmaß. Zu Beginn lies die Krise die Portfolios deutlich fallen, jedoch erfolgte eine starke Erholung in den Folgemonaten. Value-Strategien hatten es dabei in diesem Jahr schwerer als Growth-Titel. Unserer Einschätzung nach ist das jedoch ein temporärer Zustand, und Value-Titel werden irgendwann besser zurückkommen.

Insgesamt liegt der DAX in 2020 bei +3,55%, der Euro Stoxx 50 bei -3,20% und der S&P 500 bei +8,03% (in EUR; um die Vergleichbarkeit der Performance sicherzustellen, wurde jeweils die Performance- bzw. Total-Return-Version herangezogen).

Und das nach zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen von 30-40% an den Aktienmärkten.

Die Portfolios unserer Mandanten verzeichneten 2020 insgesamt ein Plus. Dabei verzeichneten die offensiven Anlagestrategien ein Plus von bis zu 10,28%, die dynamischen Portfolios bis zu 8,22%, ausgewogene Portfolios bis zu 7,29% und defensive Portfolios bis zu 6,53% (01.01.2020 - 31.12.2020). Wir freuen uns für unsere Klienten über dieses positive Ergebnis trotz Corona-Krise.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2019 verzeichneten die Portfolios bereits ein starkes Plus (Renditen für das Jahr 2019 je nach Strategie: Offensiv: 25,04% - 29,30%; Dynamisch: 19,37% - 20,33%; Ausgewogen: 11,14% - 15,62%; Defensiv: 3,50% - 10,91%).

Die Renditen der Mandanten innerhalb der o.g. Anlagestrategien differieren durch anlegerindividuelle Gewichtungen von Aktiv/Passiv, Value/Growth, Small/Mid/Large Cap und Portfoliokonzentration.

Nichtsdestotrotz ist die Coronakrise allgegenwärtig und kann jederzeit wieder zu Verwerfungen an den Märkten führen. Die Verfügbarkeit der ersten Impfstoffe lässt jedoch viele optimistischer in die Zukunft blicken. Anleger, die sich vom starken Abschwung am Aktienmarkt zwischen Quartal 1 und Quartal 2 des Jahres nicht beeinflussen liesen, und ungeirrt von der Covid-19 Krise ihre Kapitalanlagen hielten, durften sich in den Folgemonaten über eine starke Erholung ihrer Portfolios freuen. Das war der Praxisbeweis der "Buy-and-Hold" Anlagementalität, nämlich dauerhaft investiert zu bleiben anstatt seine Entscheidungen von Emotionen leiten zu lassen (bzw. vergeblich Market-Timing zu versuchen). Wir sind stolz auf unsere Kunden, die dieses Jahr mit ruhiger Hand gemeistert haben. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die langjährige Treue möchten wir uns herzlich bedanken.

Charts zur Entwicklung verschiedener Märkte 2016 - 2020 (klicken)

DAX (Deutscher Aktienindex)

Quelle: Netfonds

Euro Stoxx 50 (Europäischer Aktienindex)

Quelle: Netfonds

S&P 500 (Amerikanischer Aktienindex)

Quelle: Netfonds

Gold

Quelle: Netfonds

 


 

2) Richtig diversifizieren: Die Krux im amerikanischen Aktienmarkt

Der amerikanische Aktienindex S&P 500 beinhaltet die 500 größten börsengelisteten US-Unternehmen. Der Anteil der größten US-Unternehmen ist allerdings so massiv, dass der Diversifikationseffekt, den sich Anleger bei 500 Unternehmen für ihr Portfolio erhoffen, deutlich reduziert wird. Die folgende Grafik zeigt die 5 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung im Verhältnis zu den 389 kleinsten Unternehmen des Index.

Graphik: Eigene Darstellung; Inspiriert v. The Irrelevant Investor; Näherungswerte Stand 08/2020

Investiert ein Anleger sein Geld in einen ETF, der den S&P 500 abbildet, ist er damit zu einem signifikanten Anteil in die lediglich 5 großen Tech-Unternehmen investiert. Die obige Darstellung zeigt, dass die Top 5 so groß wie die 389 kleinsten Unternehmen des Index sind. Insgesamt machen die Top 5 in etwa 25% des gesamten Index aus. Alleine Apple ist so groß wie die 201 kleinsten Unternehmen des S&P 500. Unserer Einschätzung nach ist das keine gesunde Diversifikation.


Spektakulär ist auch der Börsenwert des Elektrofahrzeugbauers Tesla. Zum Jahresende betrug dieser atemberaubende 669 Mrd. US-Dollar. Damit wird Tesla fast so hoch bewertet wie alle anderen amerikanischen, europäischen und japanischen Autohersteller zusammen, welche gut 800 Mrd. US-Dollar an Börsenkapitalisierung  bringen.

Tesla hat in den vergangenen 12 Monaten (bis September 2020) einen Umsatz von 25,2 Mrd. $ erzielt, was im Vergleich zu 1.533 Mrd. $ aller anderen Kfz-Herstellern nur einem Anteil von 1,64% entspricht. Der Gewinn von Tesla betrug in diesem Zeitraum nur 0,6 Mrd. $, im Vergleich zu coronabedingt geschrumpften 10,3 Mrd. $ aller anderen Hersteller (außerhalb Chinas). Diese Zahlen zeigen, dass die Erwartungen für Teslas zukünftige Umsatz- und Gewinnentwicklung extrem hoch sind. Wir bezweifeln, ob dies rational ist. Sollte das Unternehmen aber, wie von Elon Musk angekündigt, zum größten Autobauer der Welt aufsteigen, der zusätzliche Gewinne mit anderen Dienstleistungen erzielen kann, könnten Tesla-Investoren dennoch richtig liegen. Wir halten das Unternehmen derzeit für extrem teuer bewertet.

Tesla kostet fast soviel wie alle amerikanischen, europäischen und japanischen Autohersteller zusammen.

Angaben in Mrd. USD vom Sept. 2019 - Sept. 2020

Hersteller Marktkapitalisierung Umsatz Nettogewinn
Tesla
668,9 28,2 0,6
USA, EU, Japan gesamt (ohne Tesla) 808,9 1.533,0 10,3
1. Toyota 251,5 241,4 13,3
2. Volkswagen 100,3 248,1 5,1
3. Daimler 76,0 173,4 0,0
4. General Motors 59,6 115,8 3,4
5. BMW 57,3 110,8 3,9
6. Honda 50,5 120,4 2,3
7. Ferrari
44,5 3,7 0,6
8. Ford, 9. Fiat Chrysler, ..... bis 16. Mitsubishi 134,2 388,5 -18,1

Quelle: Flossbach von Storch, Bloomberg, Daten per 4. Januar 2021

Diese Zahlen zeigen, die Schwierigkeit bei der Bewertung stark wachsender Technologieunternehmen in Zeiten einer digitalen Revolution.

Aus diesen Gründen empfehlen wir, bei ETFs auf den US-Markt, die Gewichtung dieser Riesen etwas zu reduzieren und so eine bessere Portfoliodiversifikation zu erreichen sowie Klumpenrisiken zu vermeiden. Auch für andere Ländern sollten Anleger dies im Auge behalten.


 

3) Der Geldmengenwahnsinn: Wie die Zentralbanken die Märkte mit Liquidität schwämmen

Wie massiv sich die Bilanzen der Zentralbanken ausweiten und die Geldmenge seit der Finanzkrise 2008 ansteigt  - und was dies für Anleger bedeutet.

Folgende Veranschaulichung zeigt die Ausweitung der Bilanz der US-Notenbank, dabei sind die Phasen der stärksten Anstiege farblich hervorgehoben. Kurz gesagt: Je größer die Bilanz der Zentralbank, desto mehr Geld ist im Bankensystem.

Federal Reserve Bilanz 2008 - 2020 (in Billionen $)

B = Billionen; Quelle: Board of Governors of the Federal Reserve System

Die Bilanz der Federal Reserve beträgt zum...

  • 23.06.2008: 892.713 $ Mio.
  • 15.12.2008: 2.254.983 $ Mio. (2,5x so viel als im Juni 2008)
  • 31.12.2019: 4.173.626 $ Mio. (4,7x so viel als im Juni 2008)
  • 15.12.2020: 7.362.592 $ Mio. (8,3x so viel als im Juni 2008)
    also 7.362.592.000.000 $ (in Worten: 7 Billionen, 362 Milliarden, 592 Millionen $)

Die Bilanz der US-amerikanischen Zentralbank hat sich vom 23.06.2008 bis zum 15.12.2020 also mehr als verachtfacht.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ergibt sich ein sehr ähnliches Bild. Die EZB hat ihre Bilanz von 1.300.000 Mio. € während der Finanzkrise 2008 auf aktuell ca. 7.000.000 Mio. € ausgeweitet.

Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Geldbasis, also die Kontoguthaben der Banken bei der Zentralbank.

Für die Inflation ist die Geldmenge M1 jedoch noch relevanter, welche täglich fällige Guthaben von Unternehmen und Privathaushalten auf Bankkonten sowie Bargeld umfasst. Diese ist seit 2008 bis Ende 2019 in den USA um 6,3% p.a. gestiegen und in der Eurozone um 7,3% p.a. – und daher mit deutlich geringerer Wachstumsrate als die Gesamtbilanz der Zentralbanken.

Im Jahr 2020 hat sich das jedoch schlagartig geändert und die Geldmenge stieg in den USA um knapp 30% sowie in der Eurozone bis Ende Oktober bereits um 12%.

Bei einer solch massiven Geldmenge ist die Gefahr einer irgendwann stark anziehenden Inflation groß. Dies würde für Sparer spürbar negative Auswirkungen haben. Am härtesten würde es dabei all diejenigen treffen, die ihr Geld auf Sparbüchern sowie Fest- & Tages­geldkonten horten. Sachwerte wie Aktien,  Gold, Immobilien usw. werden von der Inflation, also Preissteigerungen, mit hochgetrieben.

Nie wieder Zinsen?

Auf der anderen Seite ist eine Steigerung der Zinsen bei anhaltenden Auswirkungen des Coronavirus nicht in Sicht. Auch nach der Krise werden sich Staaten und Unternehmen zur Refinanzierung keine hohen Zinsen leisten können. Dem Niedrigzinsumfeld werden Anleger deshalb auch langfristig über viele Jahre noch ausgesetzt sein.

Was sollten Anleger tun?

Zur Thematik Geldmengenwahnsinn lässt sich sagen: Nur so viel Geld wie notwendig als Cash halten, denn kommt die Inflation (irgendwann), entwertet sie das Geld. Viele andere Vermögenswerte wie beispielsweise Aktien hingegen steigen dann in den Preisen (sog. Vermögenspreisinflation). Dem Niedrigzinsumfeld kann ebenso nur mit sinnvollen Kapitalanlagen entkommen werden. Ein finanzielles Polster auf dem Bankkonto ist grundsätzlich jedoch wichtig. Anleger sollten ihr Geld insgesamt sinnvoll investieren, anstatt es auf Bankkonten zu horten. Ihr Portfolio sollte dabei individuell auf Ihre Ziele abgestimmt sein, damit Sie die richtige Balance zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität finden. Wir freuen uns von Ihnen zu hören und Sie bei Ihrer nächsten Finanzentscheidung mit Rat & Tat zu unterstützen.



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